Gedanken [thoughts], Kinder Kunst & Co., religious topics
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Erziehungsgedanken…[gelesen]

„Unser Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.“ Picabia

„Wenn du deinen Teller leer ißt, darfst du noch eine halbe Stunde draußen spielen.“[…]

„Wie so viele andere habe ich das Belohnen lange Zeit auf diese Weise dazu benutzt, (meine) Kinder zu manipulieren.

Ja, ich halte Belohnen für eine Form der manipulation, weil es darauf abzielt, andere dahin zu bringen, wo wir sie haben wollen. Dieses Thema wird wahrscheinlich manchen überraschen. Obwohl wir glauben dass Bestrafen Kindern schadet, weil sie dadurch manipuliert werden […], ist den meisten nicht bekannt dass Belohnen genau so wirkt.

[…] Statt ein Kind zu einem Abbild unserer selbst zu machen, können wir auch darauf vertrauen, dass in jedem Menschen die Fähigkeit *, zu wachsen und Selbstdisplin zu entwickeln, angelegt ist.[…]

Mir ist wirklich sehr daran gelegen, deutlich zu machen, wie sich das Belohnen auf den Menschen auswirkt, erlebe ich doch nahezu jeden Tag, wie stark es unser aller Leben beeinflusst. ich selber war regelrecht süchtig nach Anerkennung. ich bezweifle keineswegs, dass meine Eltern mich wirklich geliebt haben. Sie haben ihre Liebe zum Ausdruck gebracht, indem sie mich zu einem braven und hart arbeitenden menschen erzogen-wahrscheinlich weil sie glaubten, das müsste man so machen. Erreicht haben sie dies, indem sie mich konsequent für Verhaltensweisen lobten, die in ihren Augen zur Verwirklichung ihres Zieles führten, und mich bestraften, wenn ich etwas tat, von dem sie glaubten, dass es von diesem Ziel wegführte. Noch heute gerate ich hin und wieder in Panik, wenn ich kritisiert werde […].

Wäre es nicht wunderbar, wenn Kinder ein tiefverwurzeltes Selbstvertrauen entwickeln würden, statt ihr Leben lang von dem abhängig zu sein, was andere über sie denken?“

Aus: Aufwachsen in Vertrauen von Justine Mol

4 Comments

  1. Liebe JenMuna,

    das Belohnung eine Art Manipulation ist, ist mir schon lange klar. Diesbezüglich fällt es für mich in dieselbe Kategorie wie Bestrafen oder Bestechen.
    Aber was ist denn nun in Situationen in denen ich mein Kind dazu bringen muss das zu tun was ich will? In vielen Fällen auch noch ziemlich augenblicklich.
    Darüber zerbrech ich mir fast täglich den Kopf und habe noch keine Lösung gefunden.

    Beispiel: Jeden Tag wenn ich meinen Sohn (2,5 J) von der Tagesmutti abholen möchte, will er nicht mitkommen. Er möchte nicht mitkommen, er möchte sich nicht anziehen lassen. Er rennt eine Treppe höher und kommt nicht mehr runter oder er wirft sich auf den Boden, rennt weg, kichert und kickert. Wär ich jetzt allein und ohne Zeitdruck, würd ich mich einfach auf die Treppe setzen und warten oder einfach mit Spaß machen. Aber das geht nicht. Die gute Frau möchte auch mal ihre Tür zumachen und Feierabend haben und manchmal hat sie auch Termine.
    In dieser Situation schwitze ich jeden Tag Blut und Wasser weil ich ihn besteche und belohne und drohe.
    „Komm, wir wollten doch Kekse backen. Dann müssen wir uns beeilen sonst schaffen wir das nicht mehr!“ oder „Komm, wenn Du Dich beeilst können wir noch was tolles basteln.“ (oder auf den Spielplatz gehen etc.) „Wenn Du jetzt nicht kommst spielen wir heut nicht mehr mit der Eisenbahn.“

    Ich fühl mich nicht wohl dabei, aber was ist die Lösung? Warten bis sich bei ihm die Einsicht entwickelt hat das man nach Feierabend der Tagesmutter nach Hause fährt? Das werden wir wohl bis zum Wechsel in die Kita kaum schaffen.

    Anderes Beispiel: der Junior verfolgt gern mal unseren Hund und rennt ihr in der Wohnung dauernd hinterher. Das mag sie nicht und sucht Schutz bei mir. Zum Glück ist sie sehr geduldig aber das würde sicher nicht ewig so weiter gehen. Es ist einfach indiskutabel, er darf den Hund nicht ärgern. In dieser Situation muß ich ihm jedes Mal drohen (sein Schwert wegzunehmen mit dem er sie ärgert zum Beispiel). Ich möchte das nicht, aber muß ihn dazu bringen sofort damit aufzuhören. Natürlich hab ich ihm schon zig mal erklärt warum er das nicht machen soll.
    Welche Möglichkeit hab ich also wenn ich nich bestrafe, belohne, besteche?

    Schlimm das, ich weiß das ich etwas falsch mache, aber hab keine Lösung wie ich es besser machen kann. Weißt Du eine?

    LG Shiva

  2. JenMun(a) says

    hej Shiva,
    erstmal: lustig..das ist ja ein uralter Beitrag/Zitat aus 2010, aber schön dass du dir Gedanken machst, ich glaube mir ging es zu diesem Zeitpunkt genau wie dir … auch heute komme ich natürlich immer noch in Situationen in denen es mir ähnlich geht..ich denke es ist einfach ein Veränderungsprozess in den wir, wie auch die Kinder reinwachsen müssen..es ist gar nicht so leicht alte „Muster“/“Handlungsmuster“ aufzugeben…wir schreiten langsam von „Diktatur“ ;) (zwinker) zu „Dialog, Abmachungen und Kooperation“, es gibt sicher viele Wege. Vielleicht wäre der erste Schritt zu hinterfragen warum er sich so verhält (vielleicht steckt etwas ganz anderes dahinter, vielleicht ganz banal..), das kann manchmal auch eine etwas mühselige Arbeit sein und kann etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber das lohnt sich sicher.. Ich selber fühle mich aber ansonsten nicht wirklich in der Lage dir einen konkreteren Ratschlag zu geben, weil ich einfach selbst noch in den „Veränderungsschuhen“ stecke;), aber das im Beitrag zitierte Buch hat mir/uns sehr geholfen, auch sehr lesenswert finde ich dieses hier:
    http://www.amazon.de/Von-Erziehung-zur-Einf%C3%BChlung-gemeinsam/dp/3936855641
    Wir können ja in dieser Hinsicht ein wenig in Kontakt bleiben;)!?
    JenMuna

  3. Ach Du meine Güte, das der Beitrag so alt ist, hab ich gar nicht gesehen. Der ist ganz neu in meinem Reader erschienen und aufs Datum hab ich da gar nicht geachtet sondern mich sogleich aufs Thema gestürzt weil es mich so angesprochen hat. ;-) (Wundersame Technik! Das war bestimmt kein Zufall! ;-) )
    Ja, da können wir gerne in Kontakt bleiben, ich bin da für jede Anregung und Erfahrung offen.

    Das Buch klingt ineressant, hab es mal auf meine lange Amazon-Wunschliste gestellt.
    Viel lese ich auch im LCN-Forum, vielleicht kennst Du das? Ich plane auch mal zu einem „Unerzogen-Treffen“ zu gehen (http://www.unerzogen.de/brunch/), da ich im realen Leben niemanden kenne der solche Gedanken zur Kinderbegleitung teilt.

    Du hast Recht, es ist ein Prozess, wir lernen mit unseren Kindern. Mir ist vor Monaten aufgefallen wie oft ich meinem Kind etwas untersage, „Tu dies nicht, tu das nicht!“ und ich hab mir gedacht das kann ja nicht richtig sein, was darf er denn überhaput.
    Mittlerweile lebt er schon wesentlich selbstbestimmter. Es ist vor allem eine tägliche Herausforderung an mich und manchmal auch ein Kampf mit mir selbst, aber es wird immer besser. Im Vergleich zu anderen Familienmitgliedern (große Familientreffen während der Feiertage waren da sehr gute Schauplätze) bin ich schon sehr locker und entspannt geworden. Was die Omas und Opas den Kindern alles so vorschreiben wollen! Über viele dieser Dinge würde ich nie mit meinem Sohn diskutieren. Wenn er seinen Latz nach dem Essen umbehalten möchte, bitte. Er kann ihn abmachen wann er das möchte bzw. muß bei mir auch keinen tragen.
    Wenn ich mit ihm allein bin, dann wird er regelrecht „groß“. Er hilft mir beim Gemüse schnippeln, rührt das Essen um, putzt mit mir das Bad. Das klappt alles so super und er geht total darin auf. Auch treffen wir dann viele Entscheidungen gemeinsam. Aber sowie Oma und Opa da sind, wird er wieder zum Kleinkind gemacht was nichts allein kann, regelrecht gedeckelt.

    Aber ich laß die Omas machen wie sie wollen, man sagt ja immer unterschiedliche Personen und Herangehensweisen sind gut fürs Kind. Geprägt wird er durch uns (Mama und Papa). Ich merke wie er manchmal etwas verwundert ist über die Großeltern, er nimmt das recht locker und ich habe das Gefühl er denkt sich „Ach, lass die mal machen, die wissen es nicht besser.“ Kluges Kind! ;-)

    Mein Problem sind halt wirklich diese Situationen in denen seine eigene Entscheidung nicht tolerierbar ist. Situationen hinterfragen…. Nehmen wir mal das Beispiel beim abholen.
    Jedes Mal wenn jemand klingelt am Nachmittag stehen die Kinder im Flur und warten wessen Mama da die Treppen hoch kommt. Er ruft dann ganz begeistert „Meine Mama“ und springt mir oft entgegen. Dann düst er durch die Menge. Er ist einfach aufgedreht. Er freut sich das ich da bin, wahrscheinlich auch das jetzt alle da sind die er mag, seine Kinder, seine Tagesmutti und seine Mama. Ein bisschen ist es auch Verlegenheit, das seh ich ihm an. Er dreht öfter mal hoch wenn er verlegen ist. Vielleicht sollte ich mal versuchen ihn eine Treppe höher anzuziehen, raus aus dem Focus aller Kinder und Mamas, dahin wo er dann gern flüchtet. Einen Versuch ist es Wert! ;-)

    Shiva

    • JenMun(a) says

      Ja das sollte wohl so sein;) Die Links wiederum sagen mir nichts, aber ich werde mich mal ein wenig einlesen, danke dir! Auch über GFK (Gewaltfreie Kommunikation) kann man sich im Netz ein wenig belesen, einfach mal googeln!;) (oh ja meine Amazon-Liste ist auch laaang:)) Und ja ich denke auch (wie du schon schreibst), dass es für diese Situation eine ganz einfache Lösung gibt, einfach mal Dinge ändern, laufen lassen, sich Zeit nehmen und sich überraschen lassen..so schwer das auch manchmal ist bis dahin, danach ist meistens alles gut:)
      lg und ich freu mich von dir zu hören!
      JenMuna

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