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Ein Tag …

…im Ramadan 1432. Ein Tag im Ramadan beginnt für uns um etwa 3:00 Uhr morgens mit der „gesgneten“ Frühmahlzeit „Suhuur“ (ein Brauch des Propheten Muhammad/Mohamed, Segen und Frieden seien mit ihm). Ein, zwei Gläser Wasser…vielleicht auch etwas Obst und Datteln. Warten und lesen bis die Zeit für das Morgengebet anbricht (etwa um kurz nach 4:00 Uhr). Es ist nur ein kurzer Schlaf… 7:00 Uhr: das ganz „normale“ Leben beginnt.

Und trotzdem gibt es Momente, ganz besondere Momente in denen man dieses „Ramadan-Gefühl“ fühlt, obwohl es tatsächlich ein wenig so ist, als ob man versuchen würde die Weihnachtszeit in einem islamischen Land zu erleben;). „Ramadan“ ist eigentlich die Bezeichnung des 9. Monats des islamischen Jahres, ein besonderer Monat der Selbstreinigung, des vermehrten betens, des lesens, des „zurück zu sich selbst findens“ (und das Fasten dieses Monats ist auch eine der 5 Säulen des Islams).

„Wenn Ramadan beginnt, werden die Tore des Himmels geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und das Böse in Ketten gelegt.“
Überliefert in Sahih Bukhari

Für uns ist es eine „reine“ Zeit, eine Zeit des in sich ruhens…immer wieder aus dem „Alltag“ einen Schritt zurück treten, sich fragen „was tue ich da?“, ist „dies“ oder „jenes“ überhaupt gut für mich, für andere? Es gibt Stunden da fühlen wir den Hunger und den Durst der armen Menschen auf dieser Erde, es gibt Stunden, da fühlen wir die Barmherzigkeit unseres „Schöpfers“ und die Dankbarkeit über das, womit er uns versorgt..Tag für Tag.

Der Nachmittag ist durchflochten von Arbeit, von dem, was das Leben tagtäglich von einem fordert und auch an schönem bereit hält…

…und auch ruhigeren Momenten in denen man ein paar Minuten zum lesen findet. Es ist empfohlen täglich einen Juz des Qurans (Korans) zu lesen (eine Einteilung, welche etwas 20 Seiten des Korans entspricht, insgesamt gibt es 30 Juz). „Besonders“ ist der Monat Ramadan für uns auch, weil es der Monat ist, in dem der Koran in der gesegneten Nacht „Laylatul-qadr“ vervollständigt wurde, die „Nacht der Entscheidung“ (ich werde euch später inscha Allah noch über diese Nacht berichten). Diese Nacht ist so etwas wie der „Abschluss“ des Korans, in der die letzen Verse durch den Engel Gabriel/Jibril an den Proheten Muhammad offenbart wurden. Wir glauben daran, dass der Koran das letzte Buch ist, nach der Thora und der Bibel, welches „hinabgesandt“ wurde (uns wurde auch überliefert dass es noch weitere Schriften gab, ältere Schriften, die weniger „bekannt“ sind)…der Zeitraum in dem der Koran (in Abschnitten) hinabgesandt wurde betrug 23 Jahre.

Ein Tag im Ramadan neigt sich langsam dem Ende, es ist Zeit eine kleine Mahlzeit für das „Fastenbrechen“  vorzubereiten. Sich Abends, nach Sonnenuntergang, übermäßig am Essen zu vergehen;), ist allerdings ein ziemlich fataler Fehler, denn wir sind tatsächlich dazu angehalten wenig zu essen und viel zu trinken, oder zumindest zu gleichen Teilen zu essen und zu trinken (in einer Überlieferung wird berichtet, dass Muhammad, Friede und Segen seien mit ihm, uns empfahl den Magen mit einem Drittel Essen und einem Drittel Wasser zu „füllen“ und ein Drittel „frei“ zu lassen). Das Fasten brechen wir mit einer Dattel und etwas Wasser… Wasser was niemals süßer schmeckte..

Und ich denke, „Ein Abend im Ramadan“ ist eine andere Geschichte;)…

10 Comments

  1. Herzlichen Dank,dass ich bei dir mitlesen darf! Ich finde deine Erklärung zeigt einmal mehr,dass es doch Einiges ist,welches die Religionen und uns Menschen verbindet. Leider wird darüber in den Medien nicht sehr oft berichtet. Ich freue mich auf eine Fortsetzung und wünsche dir weiterhin gesegnete Momente während des Ramadan. Pia

  2. Liebe Pia, ich freue mich! Und ich denke es stimmt, die Medien sind ziemlich einseitig, wenn nicht oft sogar sehr manipulierend..nur selten, sehr selten findet man mal einen guten Bericht im TV..dann meistens um Mitternacht auf Arte oder so;)
    Und übrigens warst du mit deinem letzten Kommentar ein kleiner Anschupser dazu!;)
    JenMuna

  3. kirschkernzeit says

    Total spannend!!! Und ich bin sehr berührt von der wunderschöne, sanften Art, in der du uns vom Sinn des Ramadan erzählst… Und freue mich, dass du so viel Gutes findest in dieser wirklich besonderen Zeit. Ich glaube, viele Christen wünschen sich irgendwie auch so eine Zeit (also ich schon…), denn Weihnachten ist meistens zur Konsum-Orgie verkommen, nicht nur an Weihnachten selbst mit den Geschenken etc. sondern schon im Vorfeld, wo ein Ereignis dem anderen die Klinke in die Hand drückt- und wo es genau so auch erwartet wird, mit Anlässen und Präsenten noch und nocht… dabei sollte doch GENAU das im Grunde nicht sein! Freude sollte von Innen und von der Beziehung zum Schöpfer her kommen… nicht durch Material oder zu exzessivem (Kultur-)Konsum…
    Ich wünsche euch allen einen gesegneten Ramadan
    Bora

  4. subhanallah I have almost identical photo as the first one…my girl wearing jean and her allstar (white)shoes…didnt manage to put it into a beautiful post though ….

  5. Wie schön, dass man dich so ein wenig „begleiten“ darf im Ramadan, der mir doch nur aus der Theorie ein wenig bekannt ist, jedoch nicht aus dem „Leben“… danke. Maria

  6. oh schön, freut mich,dass ich dich zu diesem tollen Post ein wenig angeschupst habe;-) Manchmal machen mich die Beiträge in den Medien richtig wütend,deshalb meide ich einige Sender auch. Leider habe ich bei uns in der Schweiz öfters das Gefühl,dass absichtlich völlig falsche Informationen über „Ausländer“ verbreitet werden. Dieses Jahr wars übrigens an unserem Nationalfeiertag besonders schlimm. Eine sehr populäre Partei nutzte diesen Tag um gesamt schweizerisch gegen alles „Fremde“ zu hetzen…deshalb freue ich mich um so mehr,dass du dir die Zeit nimmst um die Bräuche der muslimen Mitmenschen auf deinem Blog zu erklären…danke. Pia

  7. Salamu Alaikum,

    sehe den Beitrag ja jetzt erst, hab da wohl einen übersprungen ;-)
    Wirklich schön, wie Du einen Tag im Ramadan beschreibst, alles wichtige hebst hervor, so dass es einem alleine beim lesen drängt, den angenehmen „Pflichten“ nachzukommen ;-)
    Sehr schön auch, dass Du mit Deinen Beiträgen auch Nichtmuslime an dieser schönen Religion teilhaben lässt, und auf unsere Religion dadurch ein bisschen objektiver geschaut wird.

    lg

  8. wa alaikum salam wa rahmatullah;)
    es freut mich dass dir mein Beitrag gefällt..und ich hoffe dass ich etwas „Gutes“ damit weitergeben konnte!
    JenMuna

  9. Danke auch von mir für diesen Beitrag, JenMun(a). Ich finde es sehr spannend über den Ramadan zu lesen (und so schöne Fotos dabei!), da ich absolut garnichts darüber weiß. Wirst du noch mehr schreiben und uns teilhaben lassen?

    @Kirschkernzeit: Früher war der Advent mal eine Fastenzeit, genau wie die Zeit vor Ostern. Wenn man will, kann man das heute auch noch leben – und dem Konsum den Rücken kehren. ;-)

    Lieber Gruß,
    Isla

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